Abriss der "Werftvilla"

Ein AG-Weser-Direktor erbaute das Haus in der Basdahler Straße

 

(veröffentlicht im Stadtteilkurier-West des Weser-Kuriers und der Bremer Nachrichten am 08.09.2011)

 Eingangsseite der "Werftvilla"                                  Adressbuch 1910

 

Werftvilla - Eingangshalle Das Treppenhaus in der Eingangshalle

Mit dem Abriss der alten Villa in der Basdahler Str. 11 ist wieder ein Stück altes Gröpelingen verloren gegangen. Alle Bemühungen der vergangenen Jahre, das Haus unter Denkmal-schutz stellen zu lassen, schlugen fehl. Lange befand sich an dieser Stelle eine mit Unkraut überwachsene unbebaute Fläche, die im Jahr 2012 in eine Streuobstwiese für Gröpelinger Kinder umgewandelt wurde.

Bei dem im Volksmund als "Werftvilla" apostrophierten Haus in der Basdahler Str. 11 (früher Lobbendorfer Str. 11) handelte es sich um die ehemalige Villa von Richard Unger (Direktor der AG-Weser von 1887-1912), der sie im Zuge der Umsiedlung der Werft von der Stephani-Kirchweide nach Gröpelingen (1902- 1905) für sich und seine Familie erbauen ließ.

Werftvilla - Wintergarten Fenster vom Wintergarten

 

Die "Direktoren" der damaligen Zeit waren lediglich Vorstandsmitglieder der Werft mit wenig Befugnissen. Seit 1886 lag die Firmenleitung nach dem neuen Reichsgesetz für Aktiengesellschaften beim Aufsichtsrat. Alle Vorstandsmitglieder nannten sich nur noch aus traditionellen Gründen "Direktor". So taucht Richard Unger in den Quellen auch nur bei repräsentativen Veranstaltungen wie z.B. bei dem Stapellauf des Reichspostdampfers Lützow auf (s. Text der Weser-Zeitung vom 17.12.1907).

 

 

Nachdem die Werft 1912 aus geschäftlichen Gründen eine Verringerung des Stammkapitals zugunsten von Vorzugsaktien vorgenommen hatte, schied Richard Unger aus dem Vorstand aus. Wie lange seine Familie die Villa danach noch bewohnte, konnte die Geschichtswerkstatt nicht ermitteln. Nach den Adressbüchern der Weimarer Zeit wurde das sehr herrschaftliche Haus nach der Familie Unger von den Werftingenieuren Richard Lindemann und Emil Rader mit ihren Familien bewohnt. 

Weser-Zeitung 17-12-1907 Weser-Zeitung 17.12.1907