Das DUX-Kino

Aus unserer Veranstaltungsreihe "Kinderspielzeug in der Nachkriegszeit"

DUX-Filmstreifen der Geschichtswerkstatt aus dem Jahr 1954 DUX-Filmstreifen der Geschichtswerkstatt aus dem Jahr 1954

 

In den 1950er Jahren war in den meisten Gröpelinger Haushalten das Wort Fernseher noch ein Fremdwort. Wenn das nötige Kleingeld dazu ausreichte, besuchte man an den Wochenenden

Roland-Theater in der Lindenhofstr. um 1948 Roland-Theater 1948

ein Lichtspieltheater, sprich KINO.

In Gröpelingen war dies das Roland-Theater in der Lindenhofstraße. Erwachsene gingen in die Abendvorstellungen am Freitag oder Sonnabend. Kinder zog es sonntags in die gut besuchten Vorstellungen am Nachmittag. Für 50 Pfennige konnten sie dort Filme wie "Dick und Doof", "Pat und Patachon", aber auch schon die ersten Trickfilme von Walt Disney bewundern. Wenn man Glück hatte, die letzteren auch schon in Farbe.

Die absoluten Renner waren allerding die Fuzzy-Filme mit einem ziemlich schrulligen Western-Helden.

In vielen Arbeiterfamilien reichte aber oft das Geld nicht, um ihren Kindern einen regelmäßigen Kinobesuch zu ermöglichen. Die jungen Gröpelinger suchten dann nach anderen Möglichkeiten, um sich das Vergnügen der bewegten Bilder zu gönnen. Eine Alternative war das Kinderspielzeug "DUX-Kino" von Spielkameraden aus den etwas begüterten Familien. Eine nette Geschichte dazu kann man in unserem 2. Anekdotenband (Noch mehr Döntjes und Klönschnack) auf Seite 56 nachlesen.

DUX-Kino DUX-Kino mit Gehäuse aus schwarzem Bakelit

Beim Dux-Kino handelte es sich um einen kleinen einfachen Projektionsapparat mit 2 übereinander angeordneten Projektionsleuchten und einem aufziehbaren Federwerk im Inneren. Das Federwerk diente zum Antrieb einer Gummiwalze und einer Kontaktscheibe. Die beiden Lampen wurden mit Hilfe einer 4,5-Volt-Flachbatterie im Boden des Geräts versorgt und über die rotierende Kontaktscheibe so gesteuert, dass abwechselnd mal die obere und dann die untere Lampe leuchtete. Nachdem das Federwerk aufgezogen war, schob man seitlich einen Filmstreifen aus Celluloid in den Apparat, der beim Auslösen des

Federwerks mit Hilfe der Gummiwalze durch das Gerät transportiert wurde. Die 240 mm langen und 35 mm breiten Celluloidstreifen (s. Abbildung ganz oben) enthielten eine obere und eine untere Bahn mit Miniaturbildern, wobei das obere und das untere Bild nahezu deckungsgleich waren. Der Unterschied bestand nur in einer geringfügigen Änderung der Bewegungsdarstellung. Auf dem nebenstehenden Ausschnitt erkennt man, dass der Esel auf dem oberen Bild den Kopf senkt, während er ihn auf dem unteren Bild hebt. Auf ähnliche Weise verfuhr der Zeichner mit anderen Figuren. Durch die abwechselnde Projektion des oberen und des unteren Bildes auf die gleiche Stelle der Leinwand, entstand beim Betrachter der Eindruck einer Bewegung.

 

Die Projektion der alternierenden Bilder (meistens auf einen weißen Kopfkissenbezug) war allerdings sehr lichtschwach, was dem Vergügen der Kinder keinen Abbruch tat. Entweder verdunkelte man das Kinderzimmer (falls vorhanden) total oder suchte sich einen Platz im Keller oder auf dem Dachboden.

Erfunden wurde das Prinzip des DUX-Kinos von dem spanischen Ingenieur Nebel. Nach seiner Vorlage baute 1931 der katalanische Fabrikant Josep Nicolau Griñó den ersten Spielzeugprojektor "Cine NIC". 1948 kam das abgebildete Dux-Kino ("Modell 40") der Firma Markes & Co heraus, das nach dem gleichen Prinzip arbeitete. Die Firma aus Lüdenscheid traf damit in eine Marktlücke. Das Gerät kostete mit dem beigelegten Filmstreifen "Der Boxkampf" 19,50 DM. Die 70 Zeichentrickfilme wurden - mit Ausnahme der 8 Disney-Filme - von dem italienischen Zeichner Aurelio Gallepini gezeichnet. Sie kosteten zwischen 2,50 DM und 4 DM.  1967 kam dann das DUX-Spielzeugkino "Modell 68" auf den Markt, ebenfalls von der Firma Markes & Co. Dieses Modell arbeitete schon mit 8mm-Filmrollen. Wetere Informationen zu den DUX-Spielzeugprojektoren gibt es unter Wikipedia und Wikipedia Commons.

Verkaufspackung des DUX-Kinos Deckel der Verkaufspackung

Die Geschichtswerkstatt ist durch eine Schenkung in den Besitz von sieben Original-DUX-Filmstreifen gelangt, wovon drei in der Abbildung ganz oben dargestellt sind. Das dazugehörige Projektionsgerät aus schwarzem Bakelit war durch eine von Technik begeisterte Kinderhand schon sämtlicher Innereien beraubt worden, so dass wir uns gezwungen sahen, wenigsten einen der alten Filmstreifen (Nr. 416) durch Computeranimation wieder zum Leben zu erwecken.

Dazu war es nötig, jedes einzelne Miniaturbild in hoher Auflösung einzuscannen und mühsam nachzubearbeiten. Um das Filmerlebnis noch authentischer zu machen, haben wir zusätzlich das Laufgeräusch des Federwerkes imitiert. Wer das Erlebnis einer DUX-Kino-Vorführung der 50er Jahre nachempfinden möchte, klicke also bitte auf: "Das DUX-Kino - Der gestiefelte Kater"