Der Gröpelinger Friedhof

Geht bald eine der letzten Erinnerungen an das dörfliche Gröpelingen verloren?

 

(Reaktionen auf Veröffentlichungen im Weser-Kurier und den Bremer Nachrichten vom 13. und 14.11.2012, s. auch Stadtteilkurier-West vom 03.01.2013) 

Der Gröpelinger Friedhof um 1995 Der Gröpelinger Friedhof um 1995

Unlängst stellte die bremische Bauverwaltung die Auflösung einer Reihe von alten stadtteilbezogenen Friedhöfen in Aussicht, darunter auch der im 19. Jahrhundert erbaute Gröpelinger Dorffriedhof.

Die Ursprünge dieses Friedhofs gehen auf die Jahre 1883-1886 zurück. In der Kirchengemeinde des Dorfes Gröpelingen wurde immer häufiger Klage darüber geführt, dass der Platz rings um die alte Dorfkirche an der Kirchenallee nicht mehr als Begräbnisstätte ausreiche. Grund dafür war die stetig wachsende Einwohnerzahl des Dorfes, hervorgerufen durch die Arbeiten zur Weserbegradigung und Hafenerweiterung der Stadt Bremen, die immer mehr Arbeiter ins Land lockte.

Gröpelinger Friedhof mit Straßenbahndepot 1926 Gröpelinger Friedhof mit Straßenbahndepot 1926

So stellte schließlich 1884 eine Gruppe von Bauern der Kirchengemeinde ein Stück Land in Ausssicht,
das am damaligen Rand des Dorfes lag, heute in unmittelbarer Nachbarschaft des 1926 erbauten Straßenbahndepots. Nach mündlichen Überlie-ferungen wurde den Bauern bei den Verkaufsver-handlungen ein „ewiges“ Bestattungsrecht auf dem neuen Friedhof zugesprochen. Hintergrund der schwierigen Gespräche war wohl die Tatsache, dass ein Bauerngeschlecht, das etwas auf sich hielt, aus Traditionsgründen ihre Toten lieber auf dem alten Kirchfriedhof (s. Bild unten rechts) bestattet sehen wollte.

 

Etwa zur gleichen Zeit (seit 1872) baute und erweiterte die Stadt Bremen zwischen der Stadtgrenze und dem Dorf Gröpelingen den großen Waller Friedhof als städtische Begräbnisstätte.

Alter Grabstein Einer der alten Grabsteine

Nach der Eingemeindung des Dorfes Gröpelingen im Jahr 1902 verlor der Gröpelinger Friedhof nach und nach seine Bedeutung und ging auch bald in städtischen Besitz über.

Die meisten Neu-Gröpelinger fanden eine Begräbnisstätte

auf dem Waller Friedhof. Heute werden auf dem Gröpelinger Friedhof keine neuen Gräber mehr vergeben und so finden wir dort in der Regel nur noch Namen von alten Gröpelinger Familien wie Bosse, Mattfeldt, Raschen, Gäbel, Kropp usw.

Schon im Jahr 1998 wurden Schließungspläne laut, als die angeblich baufällige Kapelle in der Mitte des Friedhofs abgerissen wurde. Offensichtlich wartet die Baubehörde lediglich darauf, dass auch die letzten Gräber freiwillig aufgegeben werden, um das Gelände einem anderen Zweck zuzuführen.

 

Die Gröpelinger Geschichtswerkstatt hat deshalb in den Jahren 2009 und 2011 in Zusammenarbeit mit der städtischen Friedhofsverwaltung und der Kirchengemeinde die Grabsteine der Familien Juchter und Timmermann vom Gröpelinger Friedhof weggeholt und sie an der Kirchenwand der 1950 neu erbauten Andreas-Kirche aufstellen lassen, um sie vor dem Zermahlen zu Straßengranulat und damit vor dem Vergessen zu bewahren (s. Grabsteinrettung).

Der alte Kirchfriedhof Der alte Kirchfriedhof

 

Das Gelände der 1331 erbauten alten Dorfkirche (Bild rechts) war schon in den1960ern den Plänen zur Erweiterung der AG-Weser und später dem Bau der Hafenrandstraße zum Opfer gefallen.

 

Damit auch der Gröpelinger Friedhof nicht ein ähnliches Schicksal erleidet, erhofft sich die Geschichtswerkstatt eine Erhaltung des Geländes am Staßenbahndepot als Grünanlage und in dieser Anlage die Schaffung eines kleinen Areals, auf dem man erhaltenswerte Grabdenkmäler aufstellen könnte.


„Ein Grabstein ist letztendlich das Denkmal des kleinen Mannes“, so die Gröpelinger Hobbyhistoriker.

Am 13.02.2013 wurde auf einer gemeinsamen Sitzung der Stadtteilbeiräte Walle und Gröpelingen beschlossen, den alten Gröpelinger Friedhof zu erhalten und dort einen Platz für erhaltenswerte Grabsteine einzurichten. Ob die Baubehörde diesem Ansinnen folgt, bleibt abzuwarten.