Infotafeln am Bunker Halmerweg

Therese de Vries und Tilla Hundertmark – die ersten Kindergärtnerinnen in der Gröpelinger Nachkriegszeit

 

(veröffentlicht am 09.05.2011 im Stadtteilkurier West der Bremer Nachrichten und des Weser-Kuriers und am 26.05.2011 im Bremer Westen)

rnsen, 1949 in Lankenau, Therese de Vries und Tilla Hundertmark Bürgermeister Jens Böhrnsen (hinten), 1949 in Lankenau (oben), Therese de Vries und Tilla Hundertmark (unten)

"Sie war anders als unsere Mütter. Ich habe meine Mutter immer als mut- und hoffnungslos empfunden. Tante Resi, wie wir sie nannten, war das ganze Gegenteil. Sie strahlte Lebensfreude und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus. Ihre freundliche, fröhliche und liebevolle Art hat mich fasziniert und auch ein wenig geprägt." So beschreibt Zeitzeugin Hedda Reichert ihre Erlebnisse mit ihrer Kindergärtnerin Therese de Vries vor 62 Jahren, die zusammen mit Tilla Hundertmark eine der ersten Kinderbetreuungen in Gröpelingen organisierte.

Baracke Nr. 2 des Zwangsarbeitslagers Graf Spee Baracke Nr. 2 des Zwangsarbeitslagers Graf Spee

Am vergangenen Mittwoch trafen sich Therese de Vries' Sohn Jürgen de Vries, Tilla Hundertmarks Töchter Angelika Bathmann und Ulrike Lippold (im Bild oben von links nach rechts) und Tillas Neffe, Bremens Bürgermeister und Kultursenator Jens Böhrnsen (SPD), mit Mitgliedern des Beirates, der Geschichtswerkstatt Gröpelingen und vielen Gästen, um an einer Seitenwand des Bunkers Halmerweg zwei Tafeln zu enthüllen.
Die untere der beiden Tafeln erinnert an den großen persönlichen Einsatz der beiden kommunistischen Frauen, die sich auch in den späteren Jahren zusammen mit ihren Ehemännern im Stadtteil engagierten. Beide hatten als junge Frauen im Auftrag des Demokratischen Frauenbundes Deutschland von 1947 bis 1952 in 2 Baracken des ehemaligen Zwangsarbeitslagers "Graf Spee" im Halmerweg tagsüber Kinder betreut. Jens Böhrnsen unterstrich die Aussage von Hedda Reichert, indem er ausführte, dass Therese de Vries und seine Tante - wie viele ihrer Mitstreiter - damals eine andere und bessere Gesellschaft wollten. Er berichtete von den lebhaften Diskussionen zwischen dem kommunistischen und dem sozialdemokratischen Teil seiner Familie. Tilla starb 2008 als 93-Jährige und Therese zwei Jahre später mit 92 Jahren.

Lage der Baracken des Zwangsarbeitslagers Graf Spee Lage der Baracken des Zwangsarbeitslagers Graf Spee

Auf der oberen Tafel wird an den ursprüng-lichen Zweck der umfunktionierten Baracken erinnert, ein dunkles Kapitel in der bremischen Vergangenheit. An der Stelle, wo sich heute Wohnhäuser, die Zuwegung zur Schule Halmerweg und der Streichelzoo Stuhmer Straße befinden, entstand ab November 1941 das Barackenlager "Graf Spee" zunächst für 270 französische Kriegsgefangene und später für 390 sog. Ostarbeiter. Sie alle mussten von hier aus täglich zur AG-Weser marschieren und dort wie 4000 andere Zwangsarbeiter zwischen 1941 und 1945 in der Kriegsproduktion schuften.
In der Nachkriegszeit wurden die Baracken Nr. 2 und 3 mit wohnungssuchenden Gröpelinger Familien belegt. Die Baracken Nr. 1 und 4 dienten wechselnden Nutzungen wie Kinderbetreuung, Amtsgeschäften und Tanzveranstaltungen. So befand sich z.B. in der Baracke Nr. 4 das berühmte „Roxy“, die erste Gröpelinger Vergnügungsstätte nach dem Krieg.

Bürgermeister Böhrnsen bedankte sich ausdrücklich bei den Mitgliedern des Stadtteilbeirates und bei der Geschichtswerkstatt Gröpelingen, die die Tafeltexte und -bilder im Auftrag des Beirates entworfen hatte und die Herstellung und Montage der Tafeln durch eine Lilientaler Firma ausführen ließ. Er warf zum Schluss einen Blick auf die großen Anti-Nazi-Demonstrationen 2006 in Gröpelingen und Ende April 2011 in der Neustadt: "Es ist schön, dass wir uns auch für die lange Linie in die Vergangenheit interessieren - das ist auch etwas, das nach vorne weist!"