Gröpelinger Lichtspieltheater von 1945 bis 1975

Roland und Rex - Unvergessliche Namen für die Gröpelinger Nachkriegsgeneration

(Als Artikel veröffentlich auf Bremen-History am 04.01.2016)

Eröffnung des Roland-Theaters am 10.09.1948 Eröffnung des Roland-Theaters am 10.09.1948 (Fotomontage nach einem Original des Staatsarchivs)

Abgesehen von dem Oslebshauser Central-Theater (ehemaliges Skala-Tonfilm-Theater der Familie Horwitz), das wegen seiner räumlichen Enge häufig “Flohkiste” genannt wurde, überlebte keines der anderen Kinos in Gröpelingen den Bombenkrieg. “Kinematographisch” stand Gröpelingen 1945 wie viele andere Stadtteile vor dem Nichts. In den Jahren 1945 bis 1948 mussten daher viele Gröpelinger Kinofreunde den weiten Weg nach Oslebshausen in Kauf nehmen.

Noch vor der Gründung der Bundesrepublik ließ deshalb der Filmunternehmer Fred Hollmann im Jahr 1948 gleich nach der Währungsreform einen Kino-Neubau in der Lindenhofstraße 15 auf einer vormals unbebauten Fläche errichten. Es stand direkt neben dem ehemaligen Ballhaus der Familie Sieler (s. Ruine rechts im Titelbild), dem Ursprungsort aller Gröpelinger Filmvorführungen. Noch in anderer Hinsicht blieb der Bauherr der Tradition verpflichtet. Er nannte das neue Kino “Roland-Theater” und erinnerte damit an das Lichtspielhaus an der Gröpelinger Heerstr. 195-197, das seit 1934 “Alhambra” hieß.
Die Eröffnung fand am 10. September 1948 mit der Vorführung des Paramount-Streifens “The Affairs of Susan” in deutscher Sprache und unter dem Titel “Oh, Susanne” statt. Das Roland-Theater war nicht nur eines der ersten Kinos in Bremens Nachkriegszeit, sondern mit 950 Sitzplätzen auch eines der größten. In seiner Zweckbauweise gehörte es allerdings nicht zu den schönsten. Filmwechsel war immer wöchentlich am Freitag und wurde in den Dienstags- und Donnerstagsausgaben der Zeitungen angekündigt.

Anzeige im Weser-Kurier am 12.08.1955 Anzeige im Weser-Kurier am 12.08.1955

 

 

Während die Freitag- und Samstagabende dem Kinovergnügen der Erwachsenen vorbehalten waren, gehörten die sonntäglichen Nachmittage den Kindern und Jugendlichen.

 

 

Das “Jungvolk” war begeistert über Wild-West-Filmstreifen mit “Lassy La Roc und Fuzzy”, aber auch Filme über “Die kleinen Strolche” und Streifen mit “Dick und Doof” oder “Pat und Patachon” brachten die jungen Zuschauer zum Toben. Auch die Preise konnten sich damals mit 1,20 DM bis 2 DM für Erwachsene und 0,60 DM für Jugendliche noch sehen lassen.

Im Hintergrund das Rex-Kino um 1960 Im Hintergrund das Rex-Kino um 1960

Acht Jahre nach der Eröffnung des Roland-Theaters ließ der Filmunternehmer J. Heinrich Rhode   an der Gröpelinger Heestraße 163-165 (Ecke Morgenlandstr.) Gröpelingens zweites Nachkriegskino errichten.

 

Das “Rex” war der kleinere Bruder des Schwesterkinos “Regina” in Utbremen vom gleichen Besitzer und lag genau gegenüber dem ehemaligen Jüdischen Altersheim. Das “Rex-Filmtheater”, so die offizielle Bezeichnung, eröffnete am 24.08.1956 seine Pforten mit der Premiere des deutschen Farbfilms “Husarenmanöver”.

 

Das neue Filmtheater hatte 714 Polstersessel und eine Leinwand, auf der Breitwandfilme gezeigt werden konnten. Über dem Kino waren Mietwohnungen eingerichtet.

Anzeige im Weser-Kurier am 19.02.1957

Auch im Rex gab es neben den täglichen Vorstellungen für die Erwachsenen am Sonntag um 13:45 Uhr Jugendvorstellungen mit speziellen Angeboten auch für die ganz Kleinen in der Form von Märchenvorstellungen und Kasperltheater. Bei den Jugendlichen ab 10 waren die Filme mit Astrid Lindgrens Meisterdetektiv “Kalle Blomquist” und “gehobene” Wild-West-Filme wie “Die 7. Kavallerie” und der “Gentleman-Cowboy” sehr beliebt.

 

Manchmal gab es auch an Werktagen Angebote für alle Altersgruppen ab 10 mit drei Vorstellungen täglich. So auch im Februar 1957 am Dienstag dem 19.02., Mittwoch dem 20.02. und Donnerstag dem 21.02. Es handelte sich um den Musikfilm “Rock Around The Clock”, zu Deutsch “Außer Rand und Band” mit Bill Haley. Am letzten Vorstellungstag kan es zu Tumulten im Kinosaal als einige musikverrückte Halbstarke im Takt der hämmernden Rhythmen anfingen, das Mobilar zu demolieren. Ein Polizeieinsatz beendete den Spuk.

 

Das Rex-Filmtheater existierte lediglich 9 Jahre minus 3 Monate. Ende Mai 1965 schloss es seine Pforten mit der Aufführung des Films “James Bond 007 jagt Dr. No”. Nach kurzer Umbauphase zog Anfang 1966 einer der ersten Gröpelinger Supermärkte, die Ladenkette “SafeWay”, in die Räumlichkeiten ein.

Das Roland-Theater um 1970 Das Roland-Theater (vorne links im Bild) um 1970

 

 

Die Filmbetreiber der beiden Kinos wechselten häufig im Laufe der Jahre. Bevor die Betreibergesellschaft “Billerbeck und Rhode KG” das Rex-Kino schloss, hatte sie 1960 das Roland-Theater übernommen, das sie bis zum Ende führte.

 

Das Roland-Theater war schon zuvor im Eröffnungsjahr des Rex an die Betreibergesellschaft “Luedtke & Heiligers” gewechselt, die auch das Europa-Kino in der Bahnhofsstraße betrieb.
Das Roland-Kino hielt unter Billerbeck & Rhode noch 10 Jahre nach dem Ende des Rex-Kinos die Stellung in Gröpelingen. Es schloss Ende April 1975 mit dem passenden Filmtitel “Herr General, Sie könn'n uns mal”. Das Gebäude wurde ohne große Umbauten von der Drogeriekette Rossman übernommen.

Central-Theater um 1957 (Geschichtsgruppe Alt-Oslebs)

1971, schon 4 Jahre vor dem Ende des Roland-Theaters, musste auch das Central-Theater in Oslebshausen schließen.

 

Als im Jahr 2008 im Zuge der Bauarbeiten zum Lindenhof-Center die Abrissbagger den alten Kinosaal und die Filmbühne des Roland-Theaters freilegten, schlugen für ein paar Minuten die Herzen der Zuschauer noch einmal höher. Fast jeder fühlte sich an das Filmvergnügen seiner Kindertage erinnert.

Fast 30 Jahre dauerte die "kinolose" Zeit für Gröpelingen, bis im Zuge der Entwicklung des Space-Parks (heute Waterfront) das Cinespace mit 10 Kinosälen seine Pforten öffnete.